Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis

Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis im Alltag

Unabhängig davon, ob es um das Erlernen des Autofahrens oder der europäischen Hauptstädte geht, überall ist das Gedächtnis beteiligt. Wissen und Hypothesen über das Gedächtnis verdanken wir dabei größtenteils der experimentellen Psychologie. Da das Gedächtnis in sämtlichen Phasen des Alltags präsent ist, gilt es dieses zu unterstützen. Das Gehirn verbraucht beim Arbeiten viel Energie und verlangt somit eine optimale Versorgung mit wichtigen Nährstoffen und Vitaminen (wie Vitamin B). 

Das Kurzzeitgedächtnis

Dass es ein Kurzzeitgedächtnis gibt, ist nicht bewiesen. Dennoch ist ein Kurzzeitgedächtnis für viele aktuelle Hypothesen der Wissenschaft zwingende Voraussetzung. Das Kurzzeitgedächtnis wird auch als Arbeitsgedächtnis bezeichnet.Die sogenannte „Erlanger Schule“ geht so weit, das Kurzzeitgedächtnis als Indikator für Intelligenz zu bezeichnen. 
Eine durchschnittliche Person kann etwa sieben Informationseinheiten (sogenannte Chunks) im Kurzzeitgedächtnis speichern. Im Kurzzeitgedächtnis verbleiben diese Informationen meist nur wenige Minuten. Auch wenn zu viele Informationen auf einmal ins Kurzzeitgedächtnis gelangen, wandern die älteren von ihnen entweder ins Langzeitgedächtnis oder werden gelöscht.

Das Langzeitgedächtnis

Im Langzeitgedächtnis speichert der Mensch Informationen über einen längeren Zeitraum. Es kann sich dabei um Minuten, Jahre oder auch das ganze Leben handeln. Je tiefer die neuronalen Vernetzungen im Gehirn, desto stärker ist auch die Erinnerung im Langzeitgedächtnis.
Im Langzeitgedächtnis unterscheidet man zwischen deklarativem (durch Sprache benennbaren) und implizitem (nicht durch Sprache benennbaren) Gedächtnis. Im deklarativen Langzeitgedächtnis ist also etwa gespeichert, wie die europäischen Hauptstädte heißen oder was man für einen Film im Kino gesehen hat. Im impliziten Langzeitgedächtnis sind etwa die Bewegungsabläufe für Radfahren oder Autofahren gespeichert.Im deklarativen Langzeitgedächtnis unterscheidet man zwischen semantischem und episodischem Gedächtnis.
Das semantische Langzeitgedächtnis ist zuständig für die dauerhafte Speicherung von Fakten. Das episodische Langzeitgedächtnis speichert frühere Erlebnisse.

Der Weg vom Kurzzeitgedächtnis zum Langzeitgedächtnis: das Mehrspeichermodell

Das Mehspeichermodell behauptet, dass im Gehirn ankommende Reize mehrere Ebenen durchlaufen. Am Ende erreichen sie entweder das Langzeitgedächtnis oder gehen auf dem Weg "verloren". Diese Reize können dabei alle Sinne ansprechen: Sie können sowohl visuell (sehen), auditiv (hören), taktil (spüren) oder olfaktorisch (riechen) sein.
Als Erstes gelangen alle wahrgenommenen Reize ins Ultrakurzzeitgedächtnis. Nur die Reize, die aus irgendeinem Grund herausstechen, gelangen weiter ins Kurzzeitgedächtnis, die anderen werden einfach wieder vergessen.
Im Kurzzeitgedächtnis können nur begrenzt viele Informationen gespeichert werden - etwa sienben. Um die Speichermöglichkeiten im Kurzzeitgedächtnis zu erhöhen, werden deshalb kleine Informationen zu großen Informationseinheiten (sogenannte Chunks) zusammengefasst. Bei der Verknüpfung greift man auf ältere Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis zurück. Neue Erfahrungen aus dem Kurzzeitgedächtnis werden also mit alten aus dem Langzeitgedächtnis verknüpft. Manche Wissenschaftler glauben: Je besser das Kurzzeitgedächtnis einer Person diese Aufgabe erfüllt, desto intelligenter ist diese.
Diese Vorgehensweise hilft nicht nur beim Erlernen neuer Inhalte. Durch die Wiederholung der alten Erinnerung werden auch diese ins Gedächtnis zurückgerufen und danach nicht mehr so leicht vergessen. Langzeitgedächtnis und Kurzzeitgedächtnis arbeiten hier also eng zusammen. 

 

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